Der Spiegel in der Fotografie – oder: muss das sein?

Ich bin ja nun nicht derjenige, der viele Worte darüber verliert, womit und wie er fotografiert. Weil ich finde, dass das Bild im Vordergrund stehen sollte und weniger, wie es gemacht wurde.

Aber klar: auch ich benutze eine Kamera und Objektive, nebst Zubehör. Und die Auswahl derselben ist schon gut überlegt gewesen. Weil es erstens dazu passen muss, was und wie ich fotografiere. Und natürlich auch im Rahmen meines Budgets bleiben musste.

Warum also dieser Beitrag? Ich wurde vor ein paar Tage  vom Spiegelreflexkamera-Portal angeschrieben, ob ich nicht Lust hätte, etwas zum Thema

GIBT ES DANK SMARTPHONES & SYSTEMKAMERAS BALD KEINE DSLRS MEHR?

zu schreiben. Und ich denke, dass auch ich mal meinen Senf dazu beitragen kann.

Ich bin bekennender Systemkamera-Nutzer. Ich habe eine Panasonic Lumix G3 und GH3 im Rucksack und Objektive von Panasonic und Olympus. Kurz zur Info: das sind spiegellose Systemkameras, die mit einem 16Megapixel-micro-four-thirds- Sensor (mft) ausgerüstet sind.

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Ich fotografiere gern mit Spiegel – aber lieber vor der Kamera als mit einem darin

Darüber, welches Sensor-Format jetzt besser ist, wurde schon viel diskutiert und auch gestritten. Ich will das hier gar nicht vertiefen und Euch mit technischen Details langweilen, sondern es lieber von der praktischen Seite aus betrachten.

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Das Bild hier rechts ist mit der GH3 aufgenommen und hängt im Format 60x40cm an meiner Wand – mit dem Olympus mZuiko 75mm f/1.8 bei ISO200 1/200s f/1.8:

Und um auch gleich eine Antwort auf die oben gestellte Frage geben:

Ja, ich halte den Spiegel in der Kamera für ein Auslaufmodell.

Auch wenn die DSLRs nicht von heute auf morgen vom Markt verschwinden werden – denn es gibt viel zu viele Nutzer, Modelle und Objektive – zeigt sich, dass die neuen Anbieter, die mehr und mehr in den Markt drängen, fast ausschließlich auf spiegellos setzen und auch immer mehr an entsprechenden Marktanteilen gewinnen, um neben Panasonic auch Fuiji, Samsung, Olympus und auch Sony nicht unerwähnt zu lassen.

Zu den praktischen Aspekten:

Da ist vor allem erst einmal eins zu nennen: ein signifikanter Größen- und Gewichtsunterschied. Die Objektive sind durch das geringere Auflagenmaß zumeist wesentlich kleiner und leichter, als die DSLR-Pendants. Die GH3 ist von den Gehäusemaßen ja schon recht nahe an einer DSLR. Aber er gibt viele kleinere Gehäuse, die es dem Fotografen ermöglichen mit kleinen und diskreten Ausrüstungen zu arbeiten. Zudem erspart man sich jede Menge Schlepperei. Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Ich bin beim Shooten gern mobil. Die kompakten mft-Linsen machen es möglich, diese in Jacken- oder Hosentaschen am Körper zu tragen und den Rucksack im Auto oder daheim zu lassen.

Die elektronischen Sucher sind mittlerweile von einer Qualität, die absolut praxisgerecht ist. Alle relevanten Informationen können ein- aber auch ausgeblendet werden. Wichtig für mich ist vor allem, dass ich in einer Vorschau sehen kann, was meine Einstellungen bewirken und dass ich nach dem Auslösen sofort das fertige Bild angezeigt bekomme, ohne die Kamera vom Auge nehmen zu müssen. Schärfe und Brillanz des Bildes sind nah an dem was ein DSLR-Sucher einer Kleinbildformat-Kamera zu bieten hat. Die Sucher von Einsteiger-DSLRs fallen dagegen deutlich ab. Das das Bild für Umsteiger etwas gewöhnungsbedürftig ist, stimmt. Mich persönlich hats aber noch nie gestört. Und Dinge wie eine Lupenfunktion, Fokus-Peaking oder auch eine Restlichtverstärkung sucht man bei Spiegelreflexsuchern vergeblich. Andererseits kann die Zeitverzögerung, auch wenn sie deutlich geringer geworden ist, bei Actionaufnahmen durchaus noch eine Rolle spielen. (siehe auch unten meine Meinung zum AF). Mit Lichtgeschwindigkeit arbeitet halt nur der Spiegel.

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Makro macht per Sucherlupe einfach Spaß (mit Olympus mZuiko 60mm f/2.8):

Und wofür war der Spiegel ja eigentlich gedacht? Richtig – um das Bild aus dem Objektiv an den Sucher umzulenken. Eine Konstruktion aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Damals absolut notwendig, da die bis dato verfügbaren Sucher doch sehr limitierend waren für den Fotografen.

Das macht aber konstruktive Kompromisse nötig. Die Gehäuse werden größer und die Auflagenmaße erfordern aufwändigere Konstruktionen bei den Objektiven. Hinzu kommt, dass bei vielen DSLR-Kameras die AF-Messung nach wie vor nicht auf der Sensorebene stattfindet. Dies macht eine umständliche Justierung notwendig. Stichwort: Front- oder Backfokusfehler. Dabei sind AF-Messungen auf der Sensorebene, sowohl per Kontrast-, wie auch per Phasenmessung ja heute schon Standart und geschwindigkeitsmäßig bei Stills auf Augenhöhe. Was die Präzision angeht, ist diese Technik der Modultechnik klar enteilt. Zudem entfällt die Limitierung durch festgelegte Fokusfelder – wenn man auf den Kontrast-AF setzt. Bei der GH3 kann ich das AF-Feld bis an den Rand schieben. So vermeide ich Fokussierungsfehler durch Verschwenken. Wo es noch Unterschiede gibt, ist bei bewegten Motiven. Das Sportfotografen in vielen Fällen auf die EOS 1D(…) schwören, liegt ja auch am überragenden C-AF. Aber mal ehrlich: wie viele von uns sind in dem Bereich unterwegs?

Nun wird bei APS-C und mft argumentiert, dass aufgrund des kleineren Sensors und den kürzeren Brennweiten die Freistellung nicht so dolle sei. Wer mag, darf sich gern bei mir umschauen, inwieweit dieser rechnerisch korrekte Aspekt bei mft praktisch eine Rolle spielt. Zudem gibt es Situationen, in denen man mehr Tiefenschärfe benötigt. Hier haben die kürzeren Brennweiten dann sogar Vorteile. Statt z.B. an KB f/8 nehmen zu müssen, reicht bei mft f/4. Wer´s durchspielen mag, der sei an den Bokeh simulator verwiesen. Das bedeutet, dass ich 2 Blenden mehr Licht gewinne. Also entweder mit geringerer ISO arbeiten kann oder mit entsprechend kürzeren  Zeiten. Womit sich auch das zweite Argument, die geringere Empfindlichkeit des Sensors relativiert. A propos Empfindlichkeit: Ich arbeite mit meiner GH3 ohne Kopfschmerzen bis ISO 1600, teilweise sogar 3200.

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Das Beispiel hier ist mit ISO 3200 aufgenommen. Mit dem Olympus mZuiko 45mm f/1.8 bei f/1.8 an der GH3

Wobei es für die Freunde von low-light-Fotografie insbesondere bei Sony mittlerweile tolle Alternativen gibt. Dies ist der erste Hersteller, der einen Sensor im Kleinbildformat in ein spiegelloses Gehäuse baut. Die Alpha 7s bricht im high-ISO-Bereich alle Rekorde

Noch etwas zu den Objektiven. Da ist insbesondere bei Sony aktuell noch Ausbaubedarf bei der Auswahl. Aber das Beispiel mft zeigt, wie schnell das gehen kann und sich eine wirklich breite Auswahl an richtig guten Linsen für viele Bereiche  ansammelt. Aber hier haben  die traditionellen DSLR-Hersteller wie Canon oder auch Nikon noch Vorsprung, was sicher auch ein Grund sein dürfte, warum sie sich mit spiegellosen Kameras noch zurück halten.

Wenn der Trend aber anhält, dann dürfte es auch hier nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch diese Hersteller in dieses Segment einsteigen werden. Die EOS M und das 1-System bei Nikon zeigen ja, dass spiegellos kein Fremdwort ist bei denen. Aber diese Kameras bilden ja auch keine wirkliche Konkurrenz zu den traditionellen Gehäusen.

Kurz noch ein Blick in die andere Ecke: die Handykameras. Beinahe jeder hat heutzutage so ein Ding – auch ich. Und ich muss sagen, dass die Teile mittlerweile richtig gute Bilder machen. Hier mal zwei Beispiel aufgenommen mit dem  iphone 6 (links) und dem iphone 5c (rechts). Keine PC-Nachbearbeitung. Nur Schnittkorrektur und Verkleinerung per PS:

Iphone-6-Beispiel-iphone-5-Beispiel-

Die Bilder sind scharf und absolut nutzbar auch für größere Ausdrucke. Klar gibt es Limitierungen. Feste Brennweiten, meist im Weitwinkelbereich schränken die Nutzbarkeit ein. Kleine Sensoren erlauben keine großen Sprünge bei wenig Licht. Wobei das linke Beispiel zeigt, dass auch Indoor gut geht bei ausreichend Licht. Und auch hier reagieren die Hersteller. Es gibt größere Sensoren – und Module mit Zoomobjektiven finden sich im Angebot. Auch wenn ich momentan nicht glaube, dass diese Art Kameras die Systemkameras wirklich gefährdet, so sind sie doch eine gute Alternative im Bereich der Kompaktkameras. Was auch noch vielfach fehlt, ist eine Möglichkeit raws zu nutzen. Aber auch das dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. Erste Ansätze gibt´s auch hier schon.

Die Handykameras sind in meinen Augen die Antwort auf die Aussage, dass die schlechteste Kamera die ist, die man nicht dabei hat. Die Dinger sind immer parat. Apps ermöglichen die interne Bearbeitung und das sofortige Hochladen und Weiterverbreiten. Zudem haben viele Systemkameras heute WLAN-Module eingebaut, was eine Steuerung dieser Kameras per Handyapp ermöglicht. Sie ergänzen für mich ideal die Fotoausrüstung. Aber einen Ersatz stellen sie nicht dar. Ob die Bilder damit gut werden, liegt aber vielfach nicht mehr an der Technik, sondern an dem der sie benutzt.

Mein Fazit: Ich habe hier meine subjektive Sicht der Dinge dargestellt. Klar hat jede Kamera ihre Vor- und auch Nachteile. Wichtig ist, dass jeder für sich die Kamera findet, die ihn in seiner Art zu fotografieren am besten unterstützt. Das man sich weniger von technischen Details und Marketinggelaber als von praktischen Aspekten in seiner Entscheidung lenken lässt. Denn eins ist für mich auch klar: Die heutigen Kameras sind technisch gesehen alle auf einem derart hohen Niveau, dass es für mich darauf nicht mehr allein ankommt. Technisch gute Bilder machen sie alle. Die feinen Unterschiede, die im Labor messbar sind, fallen im Alltag kaum noch auf. Fragt Euch lieber, was und wie ihr fotografiert. Oder fotografieren wollt. Und sucht Euch die Kamera, die Euch mit ihren Eigenschaften darin am besten unterstützt.

Denn am Ende macht der Mensch das Bild und nicht die Kamera!

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