Ein gutes Bild entsteht in der Kamera – oder: ist Bildbearbeitung nur was für Stümper!?

Das Thema ist nicht neu, sondern so alt wie die Fotografie selber. Und jeder Fotograf hat da seine eigene Sicht – dies hier ist meine.

Um eins mal gleich klar zu sagen: ich bin ein Freund der Bildbearbeitung. Und ich bin auch nicht dagegen, dort so weit zu gehen, wie es eben nötig ist.

Was am Ende zählt, ist das Ergebnis – sonst nix!!! Das was ich entweder vorab geplant hatte, oder was sich auch mal eben durch plötzliche Eingebung bei der Bearbeitung ergibt. Für mich sind alle Dinge, die ich dazu nutze im Endeffekt nur Werkzeuge, die mich bei meinem Schaffen unterstützen sollen.

Wer Photoshop und Co. in die Ecke „Bildmanipulation und Rettungsring für Stümper“ stellt, der vergisst, dass zu einem guten Bild jeder Schritt beiträgt, der nötig ist, um eben dieses Bild entstehen zu lassen. Dazu gehört eine gute Vorbereitung, genauso wie die korrekte fotografische Umsetzung vor Ort. Aber eben auch eine gute Aufbereitung der enstandenen Ergebnisse. Klar: es gibt Bilder, die sind fertig, wenn sie aus der Kamera kommen. Nachbearbeitung ist eher dem persönlichen Geschmack geschuldet, als der Notwendigkeit aus einem Zwischenschritt etwas finales zu machen.

Hier mal ein Beispiel aus einem aktuellen Shooting: hier hab ich es bei kleinen Anpassungen belassen. Man kann durchaus der Ansicht sein, dass schon das Ausgangsbild oben brauchbar ist. Aber ich mach es eben gern selber und lasse mir nicht vom Kamerahersteller vorgeben, wie meine Bilder auszusehen haben.

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Wer es aber grundsätzlich dabei belässt, der verschenkt in meinen Augen enorm viel Potential. Ein Stück Fleisch ist ja auch nicht fertig, wenn es aus der Pfanne kommt. Ein gute Soße, passende Beilagen und ein guter Rotwein(!) gehören dazu. Aber genau wie bei der Zubereitung einiges schief gehen kann, so kann auch bei der Wahl der Materialien bereits viel falsch gemacht werden. Der beste Koch kann nichts vernünftiges zubereiten, wenn das Gemüse faul und das Fleisch von minderer Qualität ist. Aber wer bitte gäbe sich mit einem rohen Stück Fleisch auf dem Teller zufrieden? Oder mit ungeschältem und ungeputztem Gemüse?

Ich hab die größte Hochachtung vor den Fotografen, die es verstehen, ihre Bilder bereits fix und fertig aus der Kamera zu holen. Einfach, weil sie beim Fotografieren bereits größte Sorgfalt beweisen, und dort darauf achten, das alles zusammen passt für das fertige Ergebnis.

Aber leider gibt es auch genügend, die diese Sorgfalt vermissen lassen, sich aber dennoch als Wahrer der „echten“ Fotografie hinstellen. Und ihre Ergebnisse als „naturgegeben“ oder „natürlich“ hin stellen. Mal gefragt: ist es natürlich, bei einem Menschen durch falsche Lichtsetzung unschöne Schatten zu produzieren oder auch Hautunreinheiten in einer Art und Weise aufleuchten zu lassen, dass selbst gestandene Dermatologen das Grausen bekommen? Hier frage ich: ist die Verweigerung von Bildbearbeitung nicht eher das Verschweigen des Eingeständnisses, das man es schlicht und einfach nicht kann? Wer auf Photoshop verzichten will, der muss mehr Zeit in eine vernünftige Lichtsetzung und Visagistik investieren. Um beim Beispiel zu bleiben: nicht jeder ist mit einer samtenen Haut gesegnet. Aber man kann einiges dafür tun, dass dies nicht zum Hauptmotiv wird. Ein gutes Bild benötigt einiges an Aufwand. So oder so

Wer das als „neuzeitlichen“ Kram abtut und behauptet, dass es früher ja so war, dass eben das Bild in der Kamera entstand, dem muss ich den alten Werbespruch von Kodak entgegen halten. „you push the button, we do the rest“. Es war schon immer so, dass ein Bild erst fertig war, wenn es auf einem Präsentationsmedium gelandet ist. Und bis dahin konnte viel passieren. Der Fotograf bedient die Kamera. Aber die Entwicklung und Ausbelichtung wurde oft aus den Händen gegeben. Und auch der, der es selber machte, muss gestehen, dass das Endergebnis nicht immer der Realität ensprach. Nachbelichten, Abwedeln, Tonen, Retuschieren. All das war früher auch schon möglich. Das gezielte Falschentwickeln (Pullen, Pushen, Cross-Processing) gang und gäbe. Und auch Kompositionen und Manipulationen waren möglich. Alles etwas aufwändiger, gewiss. Aber nicht unmöglich. Ich hab selber in der Dunkelkammer gestanden und gebastelt 😉

Das hier ist aus den 90ern:

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Ich für mich versuche den Weg so zu gehen, dass das Endresultat stimmt. Dazu gehört Sorgfalt beim Shooten ebenso, wie das Nachbearbeiten andererseits. Eine Pose, Blick oder eine Perspektive kann ich in Photoshop und Lightroom nicht basteln. Eine versaute Belichtung nur in engen Grenzen retten. Licht-und Schattenspiel sind naturgegeben besser und echter, als wenn sie gebastelt werden. Aber ich kann ein gewünschtes Ergebnis erzeugen, wenn ich mir vorher über die dazu notwendigen Schritte Gedanken mache. Und da gehört die Bearbeitung nach dem Shooting eben auch dazu. Aber auch, sich mal zurück zu nehmen. Nicht zuviel des guten zu tun. Man kann es auch übertreiben, ja.

Hier mal ein Bild aus einem Shooting im Januar. Es sollten Bilder im Stile der 50er Jahre entstehen. Beim Shooten war dazu eine korrekte Lichtsetzung und Ausschnittswahl nötig. Auch musste ich auf den Ausdruck meines Models achten, um vernünftige Ausgangsbilder zu bekommen. In der nachfolgenden Bearbeitung hab ich dann die Haut bearbeitet und das Lichter/Schattenspiel verfeinert. In SilverEfex (meiner bevorzugten Schwarzweißsoftware) war dann die Umsetzung und Tonung an der Reihe.

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Bei diesem Beispiel könnte man jetzt einwenden, dass es ja früher mit weniger Mitteln auch möglich war, Ergebnisse, wie das untere zu produzieren. Richtig! Ich sagte ja, dass ich große Hochachtung habe, vor denen, die das hin bekommen. Und um ein wenig back to basic zu gehen, greife ich auch hier und da ja zu meiner Minolta und versuche mich an analoger Fotografie. Einfach um das Gefühl nicht zu verlieren, dafür, worauf es ja am Ende ankommt. Aber das verbietet es mir ja nicht auch andere Wege zu gehen, wenn es dem Ergebnis dient.

Hier mal ein Bild, das rein analog entstanden ist. Hier halte ich mich in der Bearbeitung sehr zurück – abgesehen von den notwendigen Schritten, die es bei der Digitalisierung braucht. Ansonsten kommen nur die „klassischen“ Techniken der Kontrast- und Belichtungskorrektur, das Abwedeln und Nachbelichten, zum Zuge

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Es gibt aber auch Bilder, die kann ich mir ohne Photoshop und Co. kaum oder gar nicht vorstellen. Dazu gehören vor allem Kompositionen. Das Zusammenlegen von verschiedenen Bildern. Das drüber legen von Texturen oder auch einbringen von Dingen, die da eigentlich nicht hin gehören. Oder eben doch.

Das hier ist aus zwei verschiedenen Bildern entstanden. Und klappte auch nur durch klare Vorbereitung beim Shooten (z.B. Stativ, Modelführung, Belichtung). Wäre aber ohne Photoshop kaum möglich gewesen.

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Ums zum Ende zu bringen: Photoshop  und Co. sind kein Teufelszeug – ebensowenig aber auch immer und überall notwendig. Es gibt Fotografen, die beschränken sich auf wenige Minuten Bearbeitung und produzieren gute Ergebnisse. Andere brauchen Stunden. Wieder andere verzichten ganz drauf. Es gibt hier kein Falsch oder Richtig. Es gibt am Ende nur Bilder. Und die gefallen oder eben auch mal nicht. Es würde aber allen helfen, das ganze weniger dogmatisch zu sehen.

Es geht ums Bild – mehr nicht!

Aber auch nicht weniger!

Denn ein gutes Bild entsteht zuerst im Kopf!

One Comment on “Ein gutes Bild entsteht in der Kamera – oder: ist Bildbearbeitung nur was für Stümper!?

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